Spurensuche

Mystery…Elisabeth Vilma Lwoff-Parlaghy was here

Die Prinzessin und der Physiker…

Dies sind die Stationen einer gleichfalls ungewöhnlichen Spurensuche, vermutlich mit Open end und (wenn überhaupt) irgendwo in Amerika: Gesucht wird das „Blaue Bild“ des berühmten Physikers Nikola Tesla (1856 – 1943), gemalt von einer Fürstin, die am Tegernsee weilte, und dies ist die Story:

Fürst Lwoff

Fürst Eugen Lwoff, ein Weltenbürger am Tegernsee
Foto: TT-Archiv

In Rottach hatte sich in der Zeit zwischen Jahrhundertwende und dem Ersten Weltkrieg der russische Fürst Eugen Lwoff niedergelassen, dem es in den Weiten seiner Besitzungen zwischen Wolga und Moldau zu langweilig wurde und der deshalb einen Teil seiner Reichtümer an den Tegernsee verlagerte. Aus seinem Privatleben war eigentlich nur bekannt, dass er die verwitwete Würzburger Brauereibesitzerin Dietrich (Schwenninger-Bräu) geheiratet hatte; von einer Prinzessin in seinem Leben davor war nie die Rede … bis zu einer Anfrage aus Belgrad, die vor geraumer Zeit die Redaktion TEGERNSEER TAL erreichte.

Zu den späteren Verwandten der Lwoffs im Tal gehörte der Tegernseer Bäckermeister Hans Mack, der eine Lwoff-Prinzessin heiratete. Kurz vor seinem Tod (er ruht im Egerer Friedhof im Fürstengrab der Lwoff) vermachte Hans Mack unserem Redaktionskollegen Otto Guggenbichler einen einmaligen Dachbodenfund, den Otto Guggenbichler wiederum dem neuen Tegernseer Heimatmuseum anvertraute: Es handelte sich um fünf leinengebundene Fotoalben mit meisterhaften Aufnahmen, die Eugen Lwoff unter anderem von seinen fürstlichen Fahrrad-Touren (!) durch Europa gemacht hatte - foto- und kulturgeschichtliche Dokumente von besonderem Wert.

„Dachbodenfund“ elektrisiert Belgrad

Bei Internet-Recherchen nach Tesla-Zeugnissen und Hinterlassenschaften stieß die Belgrader Kunsthistorikerin Draginja Maskareli im Link zum digitalen RegisterDigitalen Archivregister TEGERNSEER TAL auf Guggenbichlers Beitrag „Fürstlicher Dachbodenfund“. Sie arbeitet auf den Spuren des berühmten Physikers für das Belgrader Nikola-Tesla-Museum und war elektrisiert - weil sich über Fürst Lwoff zu Tegernsee wieder eine Verbindung zu Nikola Tesla, einem der bedeutendsten Erfinder im Bereich der Elektrotechnik, ergeben könnte. Tesla wurde 1856 als Sohn serbischstämmiger Eltern im heutigen Kroatien geboren. Seine bedeutendste erfinderische Leistung in der Elektrotechnik ist sein Beitrag zur Nutzbarmachung des Wechselstroms.

„Teslas Blue Portrait“ - Berühmtestes Gemälde von
Elisabeth Vilma Lwoff-Parlaghy

Titelblatt des Heftes Nr. 143
Wechselstromgenerator von Nikola Tesla.

Tesla hatte mit seinen Generatoren, in geradezu mörderischer Konkurrenz zu Thomas Edison, der auf Gleichstrom setzte, dem Wechselstrom weltweit zum Durchbruch verholfen. Auf der Weltausstellung 1893 in Chicago bewies Teslas System, dass es im großen Stil eingesetzt werden konnte und viel weniger Leitungsverluste als Gleichstrom hatte, wofür die Transformierbarkeit des Wechselstroms entscheidend war. Während dieses Wettbewerbes um das bessere System griffen Teslas Gegner, also das Gleichstrom-Lager um Edison, zu den denkbar makabersten Methoden: Sie setzen es durch, dass Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl mit Wechselstrom vollzogen wurden, um jedem die Gefährlichkeit dieses Systems vor Augen zu führen. Weil Tesla mit dem Unternehmen Westinghouse verbündet war, gebrauchten seine Gegner bei Exekutionen mit dem elektrischen Stuhl im Spott den Begriff „to be westinghoused“. Tesla starb – trotz seiner vielen Erfindungen und Patente als armer Mann - 1943 in New
York, seine Urne befindet sich heute im Belgrader Tesla-Museum.Und dies wäre eine (wenn auch vage, aber doch denkbare) Tegernsee-Connection in der Belgrader Spurensuche nach Zeugnissen aus dem Leben Teslas: Fürst Lwoff hatte (bis dato wohl weitgehend unbekannt) 1899 in Prag in erster Ehe die ungarische Prinzessin Elisabeth von Parlaghy (geboren 1863 oder 1865) geheiratet; das junge Paar müsste dann die wenigen Ehejahre auf den Besitzungen des Fürsten am Tegernsee (vom Rottacher Ortszentrum bis Weißach) verbracht haben - und daher die Bitte des Belgrader Tesla-Museums an die hiesige Leserschaft: Gibt es in Familienarchiven oder sonstwo noch Hinweise auf die Tegernseer Tage der (nunmehr verehelichten) Fürstin Elisabeth Vilma Lwoff-Parlaghy, eine zierlich-kapriziöse Erscheinung mit Vorliebe für „Zier-Hunde“? Die Belgrader Hüter des Telsa-Erbes hoffen nämlich auf Querverbindungen zu dem legendären Physiker – und dies aus folgendem Grund: Elisabeth Vilma Lwoff-Parlaghy, eine Schülerin der Münchner Maler Franz Quaglio und Wilhelm Dürr (in der Stilrichtung Franz von Lenbach) hatte sich offenbar sehr früh von Fürst Lwoff scheiden lassen, sie ging jedenfalls schon im Jahr 1900 vorübergehend nach New York, kam aber dann bald nach Europa zurück, um 1908 endgültig nach New York überzusiedeln.

Fürstin Vilma Lwoff-Parlaghy

Eine Malerin von Welt: Elisabeth Vilma Lwoff-Parlaghy

"Blue Tesla-Portrait" and "Princess Lwoff-Parlaghy" published in TT by courtesy of
"Tesla Memorial Society", New York

Zugang zu einer „Legende“

Sie war eine der größten Gesellschaftsmalerinnen ihrer Zeit und porträtierte nahezu alle gekrönten Häupter Europas. Ihre Jahreseinkünfte aus der Malerei beliefen sich auf etwa eine Million Dollar, sie residierte im New Yorker Plaza Hotel, einem der luxuriösesten Hotels der Welt, ihre Partys galten als Highlights der New Yorker Society. Und sie war die einzige Malerin, von der sich die „Legende“ Tesla jemals porträtieren ließ: Nikola Teslas „Blue Portrait“, 1916 von der Fürstin erstmals auf einem Empfang in ihrem New Yorker Studio gezeigt, war fortan die Ikone der weltweiten Tesla-Gemeinde, es verblieb in ihrem Atelier, wurde im April 1924, nach dem Tod der Fürstin, versteigert - und ist seither verschollen. Die Anfrage aus Belgrad an die Adresse TEGERNSEER TAL, die wir hiermit an die Leserschaft weitergeben - „Wer weiß noch etwas über das Fürstenpaar Lwoff am Tegernsee?“ – gleicht natürlich der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Aber mitunter ist nichts beständiger als der Zufall…

Redaktion TT, Juli 2008(nsc/wkpd)

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