LESEPROBETegernseer Tal - Heft 165 - Frühjahr/Sommer 2017

Frauenfigur am Eingang der Wandelhalle beim Jodschwefelbad in Bad Wiessee

Der Traum vom eigenen Jodbad am Schliersee — oder:

Vom Glück, an der Quelle zu sitzen

Wie Bad Wiessee zu dem heilkräftigen Wasser kam, das ihm Weltruhm verlieh, ist bekannt: Der Zufall führte Regie. Dass die Erfolgsstory vom Tegernsee auch eine Gemeinde am Schliersee hoffen ließ, wissen dagegen nur wenige. Die ebenso hartnäckige wie letztlich erfolglose Quellensuche bei unseren Nachbarn jenseits der Neureuth entbehrt nicht einer gewissen Tragik. In Zeiten, in denen eine geplante Neugestaltung des Jod-Schwefelbades die Schlagzeilen bestimmt, sind die Schlierseer Erfahrungen aber auch eine Mahnung: Gebt auf Eure Quelle acht.

Bad Heilbrunn, Bad Tölz, Bad Wiessee – wie an einer Perlenschnur ziehen sich die Heilbäder im Alpenvorland von West nach Ost. Schuld an den mineralienreichen Schätzen in der Tiefe ist die Geologie. »Die Jodquellen in Bayern sind häufig an die Überschiebungsbahnen der alpidischen Decken auf die Vorlandmolasse gebunden«, heißt das fachsprachlich. Wo sich vor Urzeiten der Boden des einstigen Urmeers auffaltete und verschob, konnte durch die zerborstenen Gesteinsschichten Wasser aufsteigen. Wasser, das aufgrund der Meeressedimente mit ihren organischen Anteilen reich an Mineralien wie Jod war. Wer auf einen solchen Bodenschatz stieß, konnte sich glücklich schätzen: Das Heilwasser aus den Quellen der schon 1860 gegründeten Jodquellen AG führte zum gesellschaftlichen und finanziellen Aufstieg von Tölz. Noch früher war man im weiter westlich gelegen heutigen Bad Heilbrunn aktiv, dessen ebenfalls jod- und salzhaltige Quellen wohl schon in keltischer Zeit bekannt waren.

Anno 1909 stieß man auch am Westufer des Tegernsees auf eine solche Quelle. Regie führte der Zufall: Eigentlich hatte man Erdöl gesucht, doch statt des erhofften Petroleums sprudelte aus Bohrloch III plötzlich lauwarmes Wasser, das zu allem Überfluss auch noch intensiv nach faulen Eiern roch. Die übel riechenden Gase »erfüllten das Tal bis in die Höhe des Wallbergs«, so ein Chronist. Ein stinkendes Bächlein rann vom Bohrturm hinab in den See – immerhin 600 Liter pro Minute. Die Entdeckung stieß, gelinde ausgedrückt, auf wenig Begeisterung. Im Tal stank's, den Einwohnern ebenso, man fürchtete um den aufkommenden Fremdenverkehr und das Leben der Fische.

Geschichte

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Titelseite des Tegernseer Tal Heftes Nr. 165