LESEPROBETegernseer Tal - Heft 164 - Herbst/Winter 2016/2017

Als die Reformation in Tegernsee ankam:
Erster evangelischer Gottesdienst im Tal vor 200 Jahren

Das Erbe der frommen Königin

Weltweit wird im Jahr 2017 daran erinnert, dass vor 500 Jahren der Augustinermönch und Theologieprofessor Martin Luther in Wittenberg mit seinen Thesen an die Öffentlichkeit trat und damit (freilich ohne die Folgen zu ahnen) den Auftakt zur Reformation gab. Im Tegernseer Tal ebnete 300 Jahre später niemand Geringeres als eine Königin dem evangelischen Glauben den Weg. Auf Wunsch von Karoline von Bayern wurde 1817 im Tegernseer Schloss der erste evangelische Gottesdienst im Tegernseer Tal gefeiert.

Bekanntlich war das alte Herzog- und Kurfürstentum Bayern über Jahrhunderte ausschließlich katholisch. In der Ära Napoleons aber änderte sich vieles: Die Säkularisation von 1803 brachte nicht nur das Ende des Klosters Tegernsee. Im selben Jahr erließ Kurfürst Max IV. Joseph (ab 1806 König Max I. Joseph) für sein – nun um traditionell evangelische Gebiete vergrößertes – Land ein Edikt über die Religionsfreiheit. Seitdem besaßen Katholiken, Lutheraner und Reformierte das Recht freier Religionsausübung und gleiche bürgerliche Rechte. Kurz darauf wurden auch gemischte Ehen erlaubt.

Geplante Wasserschutzzonen an der Mangfall

Königin Karoline von Bayern. Das Original des 1816 vom Hofmaler Joseph Stieler geschaffenen Porträts hing einst im Privatappartement des Königs in der Münchner Residenz. 2016 gelang es, in einem Münchner Auktionshaus eine Kopie von der Hand des »offiziellen« Stieler-Kopisten Georg Dury zu ersteigern. Sie wird im Sommer 2017 in der Wittelsbacher-Sonderausstellung des Museums Tegernseer Tal zu sehen sein.

Der Landesherr selbst war schon seit 1797 mit der evangelischen Prinzessin Karoline von Baden verheiratet. Im Ehevertrag war festgelegt, dass sie nicht nur »allezeit die vollkommenste Gewissens-Freyheit« genieße, sondern auch an jedem Ort »in der Übung der protestantischen Religion« uneingeschränkt sein solle. Sie konnte protestantische Bediente haben, insbesondere aber »einen Cabinets-Prediger ihrer Religion«, um am jeweiligen Residenzort »Privatgottesdienst« in einem »besonderen Zimmer« für sie und ihre protestantische Dienerschaft zu halten.

Als ihren Kabinettsprediger suchte sich die junge Kurfürstin Karoline 1799 einen badischen Landsmann aus, den damals 35-jährigen Dr. Ludwig Friedrich Schmidt. Bis zu ihrem Tod wollte sie ihn immer zu ihrer persönlichen Verfügung haben – nicht weniger als 42 Jahre lang. »Der Schmidt ist mein und wird bei mir bleiben«, entgegnete sie ihrem Sohn Ludwig I., als dieser wünschte, der Geistliche möge als Hofprediger in den Dienst seiner (ebenfalls evangelischen) Gemahlin Therese treten. Dementsprechend folgte Dr. Schmidt der frommen Kurfürstin bzw. Königin auch auf Reisen und zu den wechselnden Residenzen. So bildete sich um ihn nicht nur die erste protestantische Gemeinde in München, sondern er feierte evangelischen Gottesdienst natürlich auch während der Sommeraufenthalte des Hofs am Tegernsee.

Geschichte

Lesen Sie weitere Geschichten und Berichte im Heft 164. Es ist ab Oktober 2016 im Handel erhältlich.

Titelseite des Tegernseer Tal Heftes Nr. 164