LESEPROBETegernseer Tal - Heft 161 - Ausgabe 2015/I

Mega-Metropole München und das Tal

Krake ante portas

Atlantis suchen, nach Karl dem Großen im Untersberg, nach dem Stein der Weisen… oder gleich nach den »Altrechten«, auf die sich die Stadt München zur unbegrenzten Wasserentnahme aus dem Mangfalltal beruft. Der neuerliche Anspruch Münchens auf Ausweitung von Wasserschutzzonen rührt an den Lebensnerv aller Gemeinden, die im Wassereinzugsgebiet von Mangfall und Schlierach liegen – und hier vor allem das Tegernseer Tal mit den großen Zuflüssen Weißach und Rottach aus dem Mangfallgebirge. Aus der Sicht Münchens, dieser hemmungslos expandierenden Mega-Metropole, wäre der Tegernsee letztlich nur ein Durchlaufbecken mit Mangfall- Anschluss zur Wasserentnahme durch die Stadtwerke. Aber auch anderen Landkreisgemeinden droht das Schicksal, zu Reservaten von Münchens Gnaden zu werden. Denn »Wasserschutzzone« bedeutet: Kein neues Bauland ausweisen, Gewerbegebiete ohnehin tabu, Landwirtschaft nur eingeschränkt möglich. Doch nun ist ein kleines Wunder in Sicht, eine Wende in Sachen »Altrechte«.

Geplante Wasserschutzzonen an der Mangfall

Anmerkungen zum Werdegang der Krake

Die Ortschaften Gotzing und Thalham finden sich per Namen noch auf Landkarten, in der Realität wurden beide Dörfer schon vor etwa hundert Jahren von der Stadt München – nach Aufkauf von Höfen und Feldern – abgerissen und eingeebnet, einige wenige Anwesen ausgenommen.

Künftig sollen drei Zonen das Trinkwasser aus dem »abgesiedelten « Mangfalltal schützen: Die orangefarbene Zone, das ursprüngliche Schutzgebiet, umfasst das unmittelbare Umfeld der Brunnen. Die gelbe Zone wird begrenzt von der »50-Tage-Linie«: Von hier braucht das Grundwasser 50 Tage zu den Brunnen – in dieser Zeit werden Krankheitserreger vollständig abgebaut. Die dritte, grüne Zone soll Schwermetalle und Schadstoffe aus dem Brunnen-Einzugsbereich fernhalten. (Grafik: SWM)

Die »Altrechte« Münchens aus dem 19. Jahrhundert zur Ableitung von Mangfallwasser darf man getrost in drei Kategorien unterteilen:

Erstens, entsprechende Aufzeichnungen, Niederschriften, Dokumentationen etc. sind unauffindbar, es ist in der Öffentlichkeit jedenfalls kein archivalischer Nachweis bekannt.

Zweitens, wenn es sie gäbe, wären sie aus Interessenlage Münchens heraus möglicherweise nicht vorzeigbar, weil abgelaufen oder anderweitig überholt.

Oder, es hat sie, drittens, nie gegeben.

Daraus ergibt sich wiederum folgende groteske Situation: Wenn der Miesbacher Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) auf Drängen der Stadt München und der Regierung von Oberbayern die neuerlich vorgelegten Pläne Münchens zur Ausweitung der Wasserschutzzonen unterschreibt, würde er auch die bis dato fiktiven »Altrechte « anerkennen und im »Wasserkrieg München gegen Oberland« der Landeshauptstadt auch noch zu einer formellen Rechtsbasis verhelfen. Bis zur Stunde läuft es ja nur nach dem »Recht des Stärkeren«: Die Millionenstadt München mit einem milliardenschweren Immobilienmarkt im Hintergrund berennt einen kleinen Landkreis:

Zeitgeschehen

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Titelseite des Tegernseer Tal Heftes Nr. 161