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DOKUMENTATION   -   Geschichte   -   Die Reise des Saliterer nach Jerusalem   -   Seite 3

Oberst v. Himmel, nach vierzig Jahren als Offizier im Ruhestand, wird von der Frage umgetrieben, ob wirklich jener Enthusiasmus fürs Heilige Land, der einst das Abendland zu den Kreuzzügen aufgerufen hatte, wirklich ganz aus den Herzen verschwunden ist – »Sollte es nicht möglich sein, den glimmenden Funken der heiligen Sehnsucht nach dem gelobten Land von neu zu entfachen? Sollte es vergeblich sein, die katholischen Völker deutscher Zunge zu neuen Kreuzzügen des Friedens und Gebetes aufzurufen? « Er gründet den »Palästina-Pilgerverein Brixen«, führt 1901 in zwei »Pilgerungen« jeweils fünfhundert Wallfahrer aus Tirol, darunter viele Frauen, nach Palästina, 1903 die erste Schweizer Volkswallfahrt und die achte und größte Volkswallfahrt, führte dann 1904 aus Bayern nach Jerusalem – »Ins Heilige Land vom Isarstrand.«

Portrait von Johann Stadler mit Beduinentuch

Ein Bayer in Palästina – Johann Stadler in einem arabischen Fotoatelier. Der Enkel des Saliterer, J. Karl Reiner, hat uns dieses Bild aus dem Familienarchiv zur Verfügung gestellt. Von seiner Pilgerfahrt bringt der Saliterer übrigens einen Palmzweig mit an den Tegernsee und trägt ihn bei jeder Prozession mit sich

Vor der Gründung der Volkswallfahrten war der Besuch der Heiligen Stätten naturgemäß nur kleinen (und begüterten) Gesellschaftskreisen vorbehalten. Die so genannten »Bayerischen Karawanen « des Monsignore Geiger führten zu Schiff und zu Pferd von Loreto nach Griechenland und über Ägypten, Jerusalem, Galiläa und Beirut nach Konstantinopel, von wo dann wieder die Heimreise mit dem Schiff angetreten wurde. Nach dem Tod seines Amtsbruders Geiger rief Monsignore Kirchberger zu einer »Jerusalempilgerversammlung « auf, um mit Hilfe des Oberst v. Himmel und nach seinem System billige Volkswallfahrten zu organisieren. Diese erste Wallfahrt von 1904, an der auch Kirchbergers Vetter, der Saliterer, teilnahm, umfasste fünfhundert Pilger, unterteilt in drei Klassen, die nach dem Standard der Schiffskabinen und Schlafstellen ausgerichtet waren, Pilgerbeitrag I. Klasse Mk. 400, II. Klasse Mk. 360, III. Klasse Mk. 250. Um, wenigstens annähernd, einen Vergleich zu ermöglichen: Der Tagesverdienst eines Handwerkers lag damals in etwa bei 4,50 Mark, eine Kuh kostete 400 Mark. Mit auf diese erste Reise ging, zur Segnung im Grabesdom, die Fahne des Arbeitervereins Tegernsee. Da die Wallfahrt »Ins Heilige Land vom Isarstrand« eben auch im Gedenkbuch von 1905 dokumentiert wurde, können dieser Bericht und die Aufzeichnungen des Saliterers Johann Evangelist Stadler gewissermaßen synchron gelesen werden. Der Saliterer schreibt:

Pilgerreise ins Heilige Land –
vom 24. Juli bis 15. Aug. 1904

Meine Reisekameraden aus Rottach waren Josef und Anton Hatzl und Alois Kirchberger aus Miesbach, der Neffe meines Vetters Prälat Sebastian Kirchberger, Präsident der Pilgerreise.

Am 12. Mai 1904 schon Beitrittserklärung abgegeben und 300 Mark eingeschickt.

Den 24. Juli früh mit dem Schnellzug nach München gefahren, verschiedene Besuche gemacht, abends Versammlung der Pilger im kath. Casino.

25. früh Abfahrt des Pilgerzuges. In Innsbruck Mittagessen, dann Fahrt über den Brenner und durch das Pustertal. In Villach (Kärnten) Abendessen. Weiterfahrt über Krain, Laibach, durch den steinreichen Karst.

Portrait von Oberst Heimrich von Himmel-Agisburg
»Auf nach Jerusalem!
Gott will es!«,
die Parole des Oberst
Heinrich von Himmel-Agisburg