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DOKUMENTATION   -   Geschichte   -   Die Reise des Saliterer nach Jerusalem   -   Seite 2
Pilgergesellschaft an Bord

Mit Gottesdiensten an Deck begann der Tag, mit Gottesdiensten wurde er beschlossen – und dazwischen einige Stunden weltlichen Wohlergehens und der Begegnungen

Das Pilgerschiff Tyrolia

Wie es sich für eine Pilgerreise gehört, ein Schiff wird nach kirchlichen Maßstäben gemessen: Die »Tyrolia« ist mit 96 Metern halb so lang wie der Petersdom (187 Meter)

Portrait-Gemälde von Johann Evangelist Stadler

Es war Ende Oktober des Jahres 1898. Durch die vom herrlichen Südhimmel bestrahlten Fluten des adriatischen Meeres flog ein stattliches Schiff, vom Süden kommend, der Heimat zu. Eine große Anzahl Passagiere, lauter Männer, waren an Bord. Mehr denn 500 gewaltige Stimmen übertönten das Brausen des Windes und das Rauschen des Meeres durch das markige Lied, das anfing mit den Worten:

Wir kehren heim vom Heiligen Land,
Wo unseres Heiles Wiege stand,
Wo Gottes eingeborener Sohn
Herniederstieg vom Himmelsthron!

So wird die Rückkehr einer »hochbegeisterten Männerschar « geschildert, die an der 1. Tiroler Volkswallfahrt teilgenommen hatte, geführt vom k. u. k. Oberst Heinrich von Himmel-Agisburg, der dann auch den Anstoß zur Gründung des »Bayerischen Pilgervereins vom Heiligen Lande« unter der Präsidentschaft von Monsignore Kirchberger geben sollte.

Der österreichische Offizier hatte 1884 zum ersten Mal das – unter türkischer Herrschaft stehende – Palästina besucht. Die Eindrücke von dort und spätere Studien brachten ihn zu der Überzeugung, dass die Anteilnahme der katholischen Welt an den Wallfahrten zu den heiligen Stätten ihres Glaubens jeden Christen beschämen müsse, als besonders betrüglich sah er die »Zahl katholischer Pilger deutscher Zunge«. Im Gedenkbuch der 1. bayerischen Volkswallfahrt »Ins Heilige Land vom Isarstrand«, erschienen 1905, heißt es:

»Oberst v. Himmel sah als Folge dieser Erscheinung eine Missachtung und Geringschätzung des Katholizismus, besonders der deutsch sprechenden Katholiken von Seiten der Griechen und Russen, ja selbst der Mohammedaner, die nach der Liebe und Begeisterung gegen den bemessen, der durch sein Erscheinen in diesem Land jene Orte geheiligt.«

Johann Evangelist Stadler (1861-1954) hat als Bauer und Sammler viele Kunst- und Kulturgüter des Tegernseer Tals, auch aus dem aufgelösten Kloster Tegernsee, gerettet. Seine Sammlung bildet den Grundstock des heutigen Museum Tegernseer Tal. Der Saliterer war auch Begründer des Tegernseer Altertumsgauvereins.