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Dokumentation - Pergamon Fantasy

In Tegernsee sammelt Uwe Kai Oldtimer, zu seiner Sammlung zählen ein Lanz-Bulldog 1947, ein DKW-Cabriolet 1938 und ein Ford Roadster 1911. Den Ingenieur fasziniert die Präzision der Technik - das Spiel der Pleuel, Kolben und Ventile, aber auch die Ästhetik eines Schraubengewindes, diese aus Messing geschnittenen Wendeltreppen. Er restauriert und nähert sich, über die Welt der Autos hinaus immer mehr der Philosophie des »Restaurare«, des Wiederherstellens. »Restaurare« ist ein schönes Wort; man sagt, dass es das Wort »Aura« beinhalte, für lebensspendenden, elementaren Lufthauch.

1939 wird das Pergamonmuseum, kriegsbedingt, geschlossen, zwei Jahre später werden die Reliefs abgenommen und ausgelagert. Bei Kriegsende gelangen die Altarteile, die im Bunker am Berliner Zoo gelagert waren, in die Hände der Roten Armee und werden als Beutekunst in die Sowjetunion verbracht.

Detail aus dem Relief des Pergamon-Altars

Andrey Alexander, geboren in Chabarowsk, Sibirien, studiert zunächst an der Technischen Hochschule, wendet sich dann aber dem Theater zu und absolviert ein Studium in Pantomime, klassischem Ballett und Akrobatik am Moskauer »Grün-Theater«. Als »Pantomime und mehr«, wie er sich selbst sieht, feiert er Erfolge bei zahlreichen internationalen Festivals, zuletzt beim 25. Internationalen Festival für Pantomime und Monodrama in Belgrad, wo er mit der Goldmedaille von Jury und Publikum ausgezeichnet wird. 1966 gibt er in der Südsee ein Gastspiel an Bord des Kreuzfahrtschiffes M.S. Europa.

Die Sowjets lagern die Pergamon-Reliefs und die Altarteile bis 1958 in den Magazinen der Eremitage in Leningrad und geben sie 1959 an die DDR zurück. Heute steht der Altar, aus seinen Fragmenten erneut zusammengefügt - Weltkulturerbe der UNESCO - wieder auf der Museumsinsel in Berlin, als gigantisches Memento für Größe und Vergänglichkeit in der Menschheitsgeschichte.

Angelika und Rollo Gebhard haben gleichfalls ein Engagement an Bord der Europa, wo sie in Filmvorträgen und Lesungen über ihre abenteuerlichen Weltumsegelungen berichten — und begegnen hier Andrey Alexander. Sie werden Freunde und so kommt der Pantomime Alexander via Südsee-Connection mit den beiden Wiesseern an den Tegernsee - und ins Kulturleben des Tegernseer Tales.

Nach einem Konzert junger Musiker aus dem »Förderkreis«, und dies ist nun wieder die Zufallsschleife zurück zu den Hauskonzerten im Hause Stross, trifft man sich zu »Nachgedanken« im Hause Zilcher. Dabei sind die Zilcher-Enkelin Angelika, der russische Pantomime und der Rottacher Gospel-Sänger Uwe Kai. Irgendwie wird Uwe Kai an diesem Abend auf Andrey Alexander als Fotokünstler aufmerksam und bittet ihn, eine Pilgerfahrt des Gospelchores zum Tiroler Kloster St. Georgenberg im Bild zu dokumentieren. Man übernachtet in harmonischem Gedränge im Refektorium und auf den Gängen des Klosters, Andrey Alexander kommt mit elfhundert Aufnahmen nach Tegernsee zurück und macht daraus einen Film mit laufenden Bildern.

Und wieder ist es die Präzision, die Umsetzung statischer Bilder in Bewegungen im Zehntel-Sekundentakt, die den Ingenieur Uwe Kai beeindruckt.

Uwe Kai
Uwe Kai,

Diplom-Ingenieur im Ruhestand, Sammler, Musikfreund und Mäzen. Lebt in Tegernsee, gründete mit seiner Frau die »Ulli und Uwe Kai- Stiftung« und fördert auch das Jugendheim-Projekt des Tegernseer Dekans Waldschütz in Argentinien.

Andrey Alexander
Andrey Alexander,

als Sohn eines Offiziers der Roten Armee in Ostsibirien geboren. Von seiner Ausbildung her ist er Solo-Pantomime, durch seine Auftritte bei den »Tegernseer Wochen« bekannt. Im wahren Leben ist der »Ausnahmekünstler« Fotograf und Regisseur.